Gemeindeverband Sozialzentrum Bezau-Mellau-Reuthe: Wirtschaftliche Lage verschlechterte sich
Der Gemeindeverband Sozialzentrum Bezau-Mellau-Reuthe (pdf) bestand aus drei Gemeinden im hinteren Bregenzerwald.
Leistungen
Er erbrachte verschiedene Betreuungs-, Sozial- und Beratungsleistungen vor allem für seine Verbandsgemeinden.
- Das Pflegeheim, das der Gemeindeverband in Form einer gemeinnützigen Gesellschaft mit beschränkter Haftung betrieb, bot 32 Betten für stationäre Langzeit- und Kurzzeitpflege sowie Tagesbetreuung für ältere Menschen an.
- Die Küche des Pflegeheims bereitete auch Essen für externe Personen zu, z.B. Essen auf Rädern.
- Der Gemeindeverband bot eine Kinderbetreuung für Kinder von 1,5 Jahren bis zum Kindergarteneintritt
- sowie „Betreubares Wohnen“ an.
Auslastung und Kostendeckung
Mit 32 Betten war die Bettenzahl des Pflegeheims im Vorarlberger Vergleich gering, das größte Pflegeheim im Land Vorarlberg hatte 118 Betten. Weil sich etwa Fixkosten auf weniger Betten verteilten, war der Aufwand pro Bett höher als bei größeren Heimen. Aufgrund anhaltender Personalprobleme waren zudem nicht alle Betten belegbar (2024: 28 belegte Betten). Die vom Sozialfonds in Vorarlberg ausgezahlten Verpflegsgelder für die Bewohnerinnen und Bewohner des Pflegeheims stellten den überwiegenden Teil der Erlöse der Betreibergesellschaft dar. Die Erlöse aus Pflege und Betreuung waren allerdings – wie auch alle anderen Leistungsbereiche der Gesellschaft – nicht kostendeckend. Mangels Kostenrechnung blieb das konkrete Ausmaß der Kostendeckung, etwa bei Essen auf Rädern, unklar.
Case Management und Care Management
Das Case Management beriet z.B. betroffene Personen und deren Angehörige in Betreuungs- und Pflegefragen. Das Care Management war etwa für die Planung und die Koordinierung unterschiedlicher Dienstleister im Pflegebereich zuständig. Beides wurde vom Land Vorarlberg gefördert und war u.a. für die Verbandsgemeinden bei der Gesellschaft eingerichtet. Aufgrund der Funktion der Gesellschaft als Pflegeheimbetreiber und der gleichzeitigen Übernahme der Aufgaben des Case und Care Managements sah der RH ein Risiko für unabhängige Leistungserbringung durch die Case und Care Managerinnen und Manager.
Die Aufgabe des Care Managers nahm der Geschäftsführer der Gesellschaft wahr. Er delegierte zudem – entgegen den Fördervorgaben des Landes – Care-Management-Tätigkeiten an die ihm unterstellte Case Managerin.
Wirtschaftliche Lage verschlechterte sich
Die wirtschaftliche Lage des Gemeindeverbands und seiner Gesellschaft verschlechterte sich 2020 bis 2024 zunehmend. Die Gesellschaft erwirtschaftete in vier von fünf Jahren negative Jahresergebnisse; das positive Jahresergebnis 2023 war vorwiegend darauf zurückzuführen, dass der Gemeindeverband fast vollständig auf die Miete für das an die Gesellschaft vermietete Pflegeheimgebäude verzichtete. Im Gemeindeverband erhöhte sich die Abgangsdeckung durch die Verbandsgemeinden um 69 Prozent, insbesondere wegen steigender Personalaufwendungen und der erlassenen Miete.
Handlungsbedarf
Der Rechnungshof erachtete Maßnahmen zur Dämpfung der Aufwendungen bzw. zur Ertragssteigerung und insbesondere auch die Konsolidierung der Gebarung der Gesellschaft z.B. durch eine vertiefte Zusammenarbeit mit anderen Pflegeheimen für wesentlich.
- Der Rechnungshof empfahl dem Gemeindeverband Sozialzentrum Bezau-Mellau-Reuthe Maßnahmen zur Dämpfung der Aufwendungen bzw. zur Ertragssteigerung zu identifizieren und umzusetzen. Dabei wäre insbesondere die Konsolidierung der Gebarung der Sozialzentrum Bezau-Mellau-Reuthe Gemeinnützigen GmbH voranzutreiben.
- Der Rechnunghof empfahl dem Gemeindeverband Sozialzentrum Bezau-Mellau-Reuthe und der Sozialzentrum Bezau-Mellau-Reuthe Gemeinnützigen GmbH • eine vertiefte Zusammenarbeit, insbesondere mit anderen (kleinen) Pflegeheimen, zu prüfen und beim Überwiegen von Vorteilen darauf hinzuwirken. Dabei wären insbesondere zu berücksichtigen: - potenzielle Kosteneinsparungseffekte, - ein flexibler und bedarfsgerechter Personaleinsatz bzw. der Ausgleich von Personalmangel und - eine Verbesserung der Versorgungslage in der Altenpflege und -betreuung in der Region.
- • im Hinblick auf die 2025 erweiterte Case-Management-Region Hinterwald die Einrichtung des Case Managements bei von Pflegedienstleistern unabhängigen Stellen (z.B. bei Sozialsprengeln, Gemeinden) zu prüfen und gegebenenfalls darauf hinzuwirken.
- Der Rechnungshof empfahl dem Land Vorarlberg verbindliche Mindestpersonalvorgaben für Pflegeheime (etwa in Verordnungsform) festzulegen.
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- 4,415.2 KB
- Umfang:
- 92 Seiten
Gemeindeverband Sozialzentrum Bezau-Mellau-Reuthe
Der Rechnungshof überprüfte von März 2025 bis September 2025 den Gemeindeverband Sozialzentrum Bezau-Mellau-Reuthe und die Sozialzentrum Bezau-Mellau-Reuthe Gemeinnützige GmbH. Prüfungsziel war es, insbesondere Organisation, Leistungen und finanzielle Lage sowie die Personalsituation des Pflegeheims der Sozialzentrum Bezau-Mellau-Reuthe Gemeinnützigen GmbH zu beurteilen. Der überprüfte Zeitraum umfasste im Wesentlichen die Jahre 2020 bis 2024. Der Prüfungsgegenstand wurde aufgrund einer Stichprobe nach dem Zufallsprinzip ausgewählt.