Transkript Podcast Trust: Staffel 4 | Episode 8 – Allgemeiner Einkommensbericht 2024

Trust" – Der Podcast aus dem Rechnungshof. Weit mehr als nur die Zahlen. Mit Margit Kraker, Präsidentin des Rechnungshofes.

Liebe Hörerinnen und Hörer, heute wende ich mich an Sie, weil wir wieder ein sehr gutes Produkt des Rechnungshofes zu präsentieren haben. Es ist dies ein Produkt, das wir gemeinsam mit der Statistik Austria alle zwei Jahre verfassen. Und es nennt sich Allgemeiner Einkommensbericht. Dieser Allgemeine Einkommensbericht ist eine Aufgabe, die der Rechnungshof zu erfüllen hat aufgrund des Bezügebegrenzungsgesetzes. Und wir legen diesen Bericht dem Nationalrat, dem Bundesrat und den Landtagen vor. Dieser Bericht bietet eine wertvolle Grundlage dafür, dass die Politik sich an Fakten ausrichten kann und ihre Politik dann auch dieser empirischen Unterlagen entsprechend gestalten kann. Ich denke, das ist ein wertvoller Beitrag, den wir hier leisten. Darüber hinaus ist es natürlich auch ein Beitrag, den wir für die Öffentlichkeit leisten.

In den letzten Wochen hören wir ja sehr, sehr viel darüber wie die wirtschaftliche Lage Österreichs sich gestaltet, wie die Arbeitsmarktlage ist und daraus folgend natürlich auch die budgetäre Lage unserer Republik. Das sind alles schwierige Fragen. Mit dem Einkommensbericht steuern wir jetzt auch noch bei, wie sich die Einkommen in der Bevölkerung entwickeln. Und zwar geht es bei diesem Bericht um die Fragen, wie hoch die durchschnittlichen Einkommen in Österreich sind. Wie unterscheiden sich die Einkommen von Frauen und Männern und welche Unterschiede ergeben sich je nachdem in welcher Branche man beschäftigt ist, in welcher Funktion man tätig ist, wie alt man ist oder auch nach Berufsgruppen; und auch aufgrund der Bildung.

Ein besonderer Punkt, der uns in diesem Jahr auch noch einmal stärker interessiert hat, war die Analyse der Entwicklung zwischen Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigung in Österreich. Denn auch das ist ein interessanter Aspekt. Und es spielt ja auch eine Rolle dafür, wie viel man eigentlich verdienen kann.

Ein weiterer Aspekt, der auch für den Nationalrat wichtig ist, den man sich dort gewünscht hat, war es, dass wir in diesem Bericht auch darstellen die geschlechtsspezifischen Unterschiede jeweils zwischen Männern und Frauen. Und auch hier sehen wir naturgemäß die Entwicklung, wir sehen auch, wie Frauen oder Männer arbeiten, wer arbeitet mehr Teilzeit, wer arbeitet mehr Vollzeit. Wo verdienen Frauen mehr, regional gesehen in welchen Ländern, ist natürlich auch abhängig von der jeweiligen Branche, die dort angesiedelt ist und von den Strukturen und Beschäftigungsstrukturen im jeweiligen Bundesland.

So gesehen finde ich diesen Bericht ein gelungenes Werk. Und zwar beruht dieser Bericht auf Mikrozensusdaten, auf Lohnsteuerdaten als Datengrundlage. Was sind nun die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Allgemeinen Einkommensbericht 2024. 2024 heißt er deshalb, weil wir ihn im Jahr 2024 publizieren. Die Zahlen enden aber mit dem Jahr 2023. Ein wichtiger Punkt ist, dass die Anzahl der unselbständig Beschäftigten beständig angestiegen ist. Es gab im Jahr 2023 in Österreich rund 4,7 Millionen unselbständig Beschäftigte. Und ein weiterer Punkt ist, dass der Trend zu mehr Teilzeitbeschäftigung angehalten hat. Die Teilzeitbeschäftigung steigt stärker als die Vollzeitbeschäftigung. Insgesamt waren in Österreich 2,3 Millionen Personen ganzjährig vollzeitbeschäftigt; davon 33 Prozent Frauen. Unter den ganzjährig Teilzeitbeschäftigten finden sich 79 Prozent Frauen. Der Anteil der ganzjährig Vollzeitbeschäftigten sank in den letzten zehn Jahren um zwei Prozentpunkte sowohl für Frauen als auch für Männer. Das mittlere Bruttojahreseinkommen aller unselbständig Erwerbstätigen lag im Jahr 2023 bei 35.314 Euro. Und zwar ist das über alle Berufsgruppen hinweg gerechnet.

Wir differenzieren in unserem Bericht zwischen Arbeiterinnen und Arbeitern, Angestellten und öffentlich Bediensteten. Die Männereinkommen lagen in allen Beschäftigungsgruppen über den Fraueneinkommen. Arbeiterinnen verdienten 48 Prozent der Männer. Während bei den öffentlich Bedientesten die Frauen 74 Prozent der Männer verdienten. Ein Teil dieser Differenzen zwischen Männern und Frauen ist auf die stärkere Teilzeitarbeit von Frauen zurückzuführen. Wenn man es hochrechnet auf ganzjährige Vollbeschäftigung, dann verdienen die Frauen 88 Prozent des Männereinkommens.

Wir haben in diesem Bericht auch dargestellt, wie sich die Bruttoeinkommen über die Jahre hinweg entwickelt haben. Und wenn man alle unselbständig Erwerbstätigen seit dem Jahr 2004 betrachtet, so sehen wir, dass diese in etwa im Ausmaß des Verbraucherpreisindex also um 61 Prozent gestiegen sind. Das kommt im Schnitt einer Einkommensstagnation gleich. Bei den Frauen lag die Steigerung über dem Verbraucherpreisindex. Es ist dies ein Plus von 75 Prozent. Bei den ganzjährig Vollzeitbeschäftigten lag die Steigerung über dem Verbraucherpreisindex. Das ist eine Steigerung von Plus 70 Prozent. Und bei den Pensionistinnen und Pensionisten war die Steigerung über dem Verbraucherpreisindex mit 80 Prozent.

Interessant ist auch die Einkommensverteilung nach Branchen. Da sehen wir ganz deutlich, was wir eigentlich auch in allen Jahren so sehen, ist dass die Verdienstmöglichkeiten am höchsten sind im Sektor der Energieversorgung und bei der Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen. Die niedrigsten Einkommen liegen im Bereich von Beherbergung und Gastronomie. Was auch mit den strukturellen Arbeitsverhältnissen zu tun hat. Niedrig sind auch die Einkommen im Bereich Gesundheits- und Sozialwesen. In dieser Branche findet sich der höchste Frauenanteil und der höchste Teilzeitanteil.

Es wird immer wieder betont, wie wichtig Bildung ist, dafür, dass man ein ausreichendes Einkommen erzielen kann. Und dieser Bildungsabschluss, das Thema der abgeschlossenen Berufsausbildung ist essenziell dafür, dass man ein gutes Erwerbseinkommen erzielen kann. Darauf wollen wir auch verweisen und wir sehen, dass bei den Männern es sich so gestaltet, dass sie schon im Bereich eines Fachschulabschlusses überdurchschnittlich verdient haben. Während Frauen erst überdurchschnittlich verdienen, wenn sie ein Hochschulstudium haben oder ein Universitätsstudium.

Ich möchte vielleicht nochmals betonen, dass im Jahr 2023 51 Prozent der ganzjährig Erwerbstätigen Frauen in einem Teilzeitarbeitsverhältnis sich befunden haben. Da ist es natürlich interessant zu sehen, was die Gründe dafür sind und in welcher Altersgruppe sich diese Teilzeitarbeit am meisten abspielt. Der häufigste Grund für die Teilzeitarbeit war bei Frauen die Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen, nämlich 41 Prozent; bei Männern hingegen ihre schulische oder berufliche Weiterbildung, von 32 Prozent. Die meisten Teilzeitarbeitskräfte finden wir unter den ganzjährig beschäftigten Angestellten. Absolut gesehen sind die ganzjährig Teilzeit beschäftigten öffentlich Bediensteten die kleinste Gruppe. Sie verfügten aber mit 33.774 Euro im Jahr 2023 über das höchste mittlere Einkommen unter den Teilzeitarbeitskräften.

Abschließend möchte ich noch einmal beschreiben, dass wir hier keine Ursachenanalyse gemacht haben, warum sich die Einkommen so entwickelt haben. Sondern wir beschreiben die Entwicklung dieser Einkommen rein statistisch und mit Daten und Fakten. Nichts desto trotz halte ich diesen Bericht für ein umfangreiches Nachschlagewerk, um sich hier eine Übersicht zu verschaffen, wie die Entwicklung in der Bevölkerung verläuft und wie es sich zwischen den Branchen verhält, zwischen Frauen und Männern verhält, zwischen den Altersgruppen verhält und natürlich vor allem welche Rolle die Bildung für das Einkommen in der Bevölkerung spielt. Derartige Themen können wichtige Themen sein auch für die Regierungsverhandlungen oder für die neue Legislaturperiode des Nationalrates, wo man das Werk diskutieren kann, wo man dann politische Schlussfolgerungen daraus ziehen kann. Je nachdem welche Position man bezieht und je nachdem, welches Ziel man auch erreichen möchte. Wir sind ein Stück weit näher gekommen in der Thematik, dass die Fraueneinkommen näher heranrücken an die Männereinkommen. Aber strukturell sind die Arbeitsverhältnisse natürlich noch verschieden und da müsste man natürlich auch am Umfeld und an den Rahmenbedingungen für die Frauen entsprechend arbeiten, wie auch für die Männer. Denn wir merken natürlich auch, dass im Bereich der atypischen Beschäftigungsverhältnisse relativ viel zu tun wäre in Österreich. Denn atypische Beschäftigung führt nur zu sehr geringfügigen Einkommen und führt auch dazu, dass es sich hier nur um zeitlich befristete Arbeitsverhältnisse, die nicht durchgängig sind, handelt. Wichtig erscheint mir doch, dass man mit dem Einkommen auskommen kann in Österreich und dass das Einkommen durch Erwerbsarbeit eine gute Basis für die Lebensqualität in der Bevölkerung ist. In diesem Sinne bedanke ich mich für die Aufmerksamkeit und ich lade Sie alle ein, nachzuschauen im Allgemeinen Einkommensbericht, wenn Sie etwas wissen wollen. Dankeschön!

Das Jahr 2024 neigt sich dem Ende zu. Wir stehen vor den Weihnachtsfeiertagen. Ich wünsche allen Zuhörerinnen und Zuhörern ein schönes Fest! Ich wünsche Ihnen eine erholsame und angenehme Zeit. Und vor allem hoffe ich auf ein erfolgreiches Jahr 2025! Und es würde mich ganz besonders freuen, wenn Sie dem Rechnungshof treu bleiben und weiterhin an unserer Arbeit interessiert sind. Ich wünsche Ihnen alles Gute, viel Gesundheit und Zufriedenheit im neuen Jahr!

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