Rechnungshof

U4-Modernisierung wird Zuverlässigkeit für Fahrgäste nur begrenzt erhöhen

08.05.2020 - Rechnungshof Österreich legt Bericht zur Modernisierung der Wiener U-Bahn-Linie U4 vor

Die Modernisierungen entlang der Wiener U-Bahnlinie U4 werden die Zuverlässigkeit für die Fahrgäste nur begrenzt erhöhen. Darauf machen die Prüferinnen und Prüfer des Rechnungshofes Österreich in ihrem heute erschienenen Bericht „Wiener Linien – Modernisierung der Linie U4“ aufmerksam. 

Neben dem Potenzial zur Steigerung der Zuverlässigkeit beurteilte der Rechnungshof Österreich, wie die Wiener Linien ihre Bauherrnfunktion wahrnahmen, die Kosten- und Terminentwicklung sowie den gesamten Bauprozess vom Auftrag bis zur Abrechnung. Geprüft wurden die Jahre 2014 bis 2018.

In den Jahren 2011 und 2012 kam es vermehrt zu Störungen bei der Linie U4. Damals erklärten die Wiener Linien, dass sich die Gesamtpünktlichkeit der Linie unter anderem wegen des hohen Alters der Anlagen verschlechtert habe. 2012 wurden die Wiener Linien von der damals zuständigen Stadträtin damit beauftragt, eine „großangelegte“ Modernisierung der Linie U4 zu prüfen. Hauptziel war, die Zuverlässigkeit („Intervalltreue“) sowie die Betriebssicherheit zu erhöhen. 

Zuverlässigkeit aus Fahrgastsicht

Die Zuverlässigkeit der Linie U4 lag im Zeitraum 2009 bis 2018 aus Fahrgastsicht grundsätzlich unter dem Durchschnitt aller U-Bahnlinien. Auch bei der Anzahl der Störungsmeldungen mit Ursache Infrastruktur lag die Linie U4 im Zeitraum Oktober 2013 bis Dezember 2018 häufig über dem Durchschnitt. Anzumerken ist, dass die Zuverlässigkeit der Linie U4 in diesem Zeitraum trotzdem auf einem hohen Niveau, nämlich zwischen 99,65 Prozent und 99,95 Prozent, lag. Zu einer ungewöhnlich langen Störung der U4 kam es am 25. Oktober 2019. Diese war laut Wiener Linien auf eine Fehlfunktion eines mittlerweile 40 Jahre alten Relaisstellwerks zurückzuführen. 

Ursachen für Ausfälle

Insgesamt waren die Ursachen für die Ausfälle der Linie U4 zu 51 Prozent auf die Fahrzeuge zurückzuführen, zu 30 Prozent auf Kundinnen und Kunden bzw. externe Einflüsse sowie zu 14 Prozent auf die Infrastruktur. Die Zahlen gelten für die Jahre 2009 bis 2018. Die Modernisierung der Infrastruktur wird daher auch nur einen begrenzten Beitrag zur Steigerung der Zuverlässigkeit der Linie U4 leisten. Der Rechnungshof Österreich empfiehlt den Wiener Linien, dies der Öffentlichkeit zu kommunizieren. 

Bis zum Projektende 2024 sollen rund 379 Millionen Euro in die Modernisierung der Linie U4 fließen. Nur 15 Prozent dieser prognostizierten Kosten betreffen Maßnahmen, die von den Fahrgästen direkt wahrnehmbar sind: Dazu zählen etwa die Sanierung und Erneuerung von Stationen, Bahnsteigen, Fahrtreppen und Stiegen sowie der Einbau der Videoüberwachung. 

Zahl und Dauer der Störungen auswerten

Der Rechnungshof Österreich empfiehlt den Wiener Linien, ihre Anstrengungen zur Steigerung der Zuverlässigkeit und Betriebssicherheit der Linie U4 anhand nachvollziehbarer Kennwerte proaktiv zu kommunizieren. Die Öffentlichkeitsarbeit soll nicht auf den Zuverlässigkeitswert beschränkt sein. Auch weitere für die Fahrgäste fassbare Kennwerte, wie etwa Anzahl und Dauer von Störungen, sollen veröffentlicht werden. Seit Februar 2017 verfügen die Wiener Linien über entsprechende Tools zur Auswertung. 

Wiener Linien als proaktiver Bauherr 

Der Rechnungshof Österreich gelangte zur Auffassung, dass die Wiener Linien ihre Bauherrnrolle proaktiv wahrnahmen. Zudem verfügten die Wiener Linien grundsätzlich über geeignete Regelungen für die Aufbau- und Ablauforganisation, wenngleich diese noch Lücken aufwiesen. Das Projektcontrolling war grundsätzlich geeignet. Der Rechnungshof Österreich kritisiert jedoch, dass Risiken nicht durchgängig bewertet wurden. Auch unterblieb bis Juli 2017 die Valorisierung der anfallenden Kosten bis zum geplanten Projektende 2024. 

Kostensteigerung beim Stadtpark 

Genauer unter die Lupe nahm der Rechnungshof Österreich unter anderem das Teilprojekt Stadtpark. Ursprünglich wurde ein Auftrag in Höhe von 1,80 Millionen Euro für Baumeister- und Ausbauarbeiten vergeben. Es kam jedoch zu einer Erhöhung von 23 Prozent der Auftragssumme – die Schlussrechnung lag bei 2,15 Millionen Euro. Begründet wurde diese Steigerung mit ausgeführten Zusatzleistungen. Allerdings: Von den ausgeschriebenen 381 vereinbarten Leistungen wurden nur 242 ausgeführt und verrechnet. Der Rechnungshof Österreich verweist beim Teilprojekt Station Stadtpark kritisch auf die Kostenerhöhungen sowie auf den bedeutenden Teil der Zusatzaufträge in Höhe von rund 422.000 Euro. Das Leistungsverzeichnis war mangelhaft und von unzureichender Qualität. Außerdem boten die Wiener Linien den Bietern damit Spekulationspotenziale. 

Der Rechnungshof Österreich hat sein Wissen aus 55 Rechnungshofprüfungen von 
Bauprojekten im „Bauleitfaden“ gebündelt und publiziert. Darin nachzulesen sind Handlungsanleitungen für die transparente, nachvollziehbare und rechtskonforme Abwicklung von öffentlichen Bauvorhaben. Dieser bereits im Jahr 2018 publizierte Leitfaden – soll im Sinne des Bürgernutzens – einen Beitrag zur sparsamen, wirtschaftlichen und zweckmäßigen Abwicklung von Bauprojekten leisten. 

Presseinformation: Wiener Linien - Modernisierung der Linie U4

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Bericht: Wiener Linien - Modernisierung der Linie U4

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Der Rechnungshof Österreich veröffentlichte heute außerdem den Bericht "IKS im Schulden– und Veranlagungsmanagement der Stadt Wien".