Rechnungshof

Rechnungshof Österreich prüfte ORF-Standortkonsolidierung

17.04.2020 - ORF hätte kompletten Neubau ernsthafter prüfen müssen

Um zukünftigen Herausforderungen gewachsen zu sein, beschloss der ORF 2012 die Zusammenführung seiner drei Wiener Standorte (Küniglberg, Heiligenstadt, Argentinierstraße) an einem gemeinsamen Medienstandort.

In seinem heute vorgelegten Bericht „ORF: Standortkonsolidierung – 1. Bauphase“ kritisiert der Rechnungshof Österreich, dass die Geschäftsführung des ORF die Entscheidung für die Konsolidierung am Standort Küniglberg ohne umfassende Analyse der Vor- und Nachteile für einen Neubau traf. Überprüft wurden die Jahre 2012 bis 2016. Diesen Zeitraum bezeichnet der Rechnungshof Österreich als „Bauphase 1“.

Positiv: Trotz großer Bauarbeiten kam es niemals zu einem Sendeausfall

Seit 2004 waren dem ORF Schäden an den Gebäuden des ORF-Zentrums bekannt. Der ORF entwickelte in Folge drei Szenarien:

  • Neubau in Wien (Wien-Erdberg),
  • Sanierung konsolidiert (Zusammenführung aller ORF-Standorte am Küniglberg) sowie
  • Sanierung unkonsolidiert (Sanierung Küniglberg und Beibehalten der Standorte
    Argentinierstraße und Heiligenstädter Straße).

Während einige Aspekte für einen Neubau in Wien-Erdberg sprachen: keine Einschränkungen durch den Denkmalschutz, Synergieeffekte oder die gute Verkehrs- anbindung, war im ORF-Stiftungsrat „eine breite Mehrheit für eine Konsolidierung an einem neuen Standort nicht gegeben“. Der ORF befürchtete für einen neuen Standort eine öffentliche Ablehnung und daraus resultierend Nachteile für das Unternehmen. Der Rechnungshof Österreich kann die Argumente für die Entscheidung der Konsolidierung am Standort Küniglberg nicht ausreichend nachvollziehen. Alle Szenarien hätten hinsichtlich Kosten, Risiken sowie Vor- und Nachteilen bewertet und beurteilt werden müssen. Eine umfassende Risikoanalyse und -bewertung fehlte.

Der ORF war während der Sanierung des Objekts 1 am Küniglberg mit einer Reihe an Herausforderungen konfrontiert: So musste er auch sicherstellen, dass trotz des großen Bauvorhabens gesendet wird. Der Rechnungshof Österreich würdigt positiv, dass es bis zum Ende der Gebarungsüberprüfung zu keinen Produktions- und Sendeausfällen kam.

Gespräche zum Verkehrskonzept vorantreiben

Die Standortkonsolidierung am Küniglberg erfordert auch eine Festlegung auf ein Verkehrskonzept zwischen der Stadt Wien und dem ORF. Denn: Bis zu 860 Beschäftigte des ORF sollen bei Zusammenführung der zentralen Unternehmensfunktionen zusätzlich am Küniglberg tätig sein. Der Rechnungshof Österreich kritisiert, dass die zuständige Stadträtin, die Bezirksvertretung von Hietzing sowie der ORF sich bisher noch auf kein Verkehrskonzept einigen konnten. So forderte etwa die Bezirksvertretung zusätzliche Parkplätze am ORF-Gelände, um eine „totale Verparkung der Umgebung“ zu verhindern. Die Anreise im Privatfahrzeug steht zudem im Gegensatz zu übergeordneten Konzepten der Stadt Wien: Der Stadtentwicklungsplan 2025 der Stadt Wien sieht eine Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs um 7 Prozentpunkte vor. Der Rechnungshof Österreich empfiehlt, dass die Stadt Wien und der ORF die Gespräche zur Ausarbeitung eines Verkehrs- und Mobilitätskonzepts nach der Corona-Krise wieder vorantreiben.

Presseinformation: ORF: Standortkonsolidierung – 1. Bauphase



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Umfang: 
106 Seiten

Bericht: ORF: Standortkonsolidierung – 1. Bauphase

Der Rechnungshof überprüfte von April 2017 bis Juli 2018 das Projekt Standortkonsolidierung des Österreichischen Rundfunks (ORF).

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