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Prüfungsformen

Um den verschiedenen Herausforderungen gerecht zu werden und einen möglichst hohen Nutzen seiner Leistungen sicherzustellen, bedient sich der Rechnungshof einer Reihe von verschiedenen Formen der Prüfung. Sie umfassen:

Schwerpunktprüfung
Bei einer Schwerpunktprüfung konzentrieren sich die Prüferinnen und Prüfer auf bestimmte Themenstellungen, auf Teilbereiche der Gebarung oder auf ein bestimmtes Projekt, die vertieft überprüft werden.

Querschnittsprüfung
Bei der Querschnittsprüfung vergleichen die Prüferinnen und Prüfer ausgewählte Aufgaben bzw. Bereiche bei den überprüften Stellen auf Bundes-, Landes- oder Gemeindeebene oder zwischen unterschiedlichen Rechtsträgern. Ziel ist, durch Prüfung und Beratung für die überprüften Stellen und die politischen Entscheidungsträger einen spezifischen Mehrwert durch die Gesamtsicht des Rechnungshofes als föderatives Bund-Länder-Gemeinde-Organ vorzulegen.

Stichprobenprüfung
Zur Stärkung seiner präventiven Wirkung führt der Rechnungshof Stichprobenprüfungen durch, um auch Rechtsträger in das Prüfungsprogramm einzubeziehen, die nach dem risikoorientierten Auswahlverfahren (z.B. wegen ihres geringen Gebarungsumfangs) nicht überprüft würden. Die überprüften Stellen werden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt.

Follow-up-Überprüfung
Follow-up-Überprüfungen zielen darauf ab, die Wirksamkeit von Gebarungsüberprüfungen zu verstärken, da sie zeigen, inwieweit die Empfehlungen des Rechnungshofes tatsächlich umgesetzt wurden. Die Auswahl der Follow-up-Überprüfungen erfolgt aufgrund des Nachfrageverfahrens.

Prüfung von gesetzlichen beruflichen Vertretungen (Kammern)
Werden die Kammern vom Rechnungshof geprüft, beschränkt die Verfassung das Augenmerk der Prüferinnen und Prüfer auf die "ziffernmäßige Richtigkeit", die "Übereinstimmung mit den bestehenden Vorschriften" sowie die "Sparsamkeit" und "Wirtschaftlichkeit". Der - bei allen übrigen Prüfungen - anzulegende Prüfungsmaßstab der "Zweckmäßigkeit" ist bei der Prüfung von gesetzlichen beruflichen Vertretungen (Kammern) hingegen nicht vorgesehen. Auch werden die diesbezüglichen Berichte nicht vom Rechnungshof veröffentlicht, sondern müssen laut Gesetz von der jeweiligen gesetzlichen beruflichen Vertretung öffentlich zugänglich gemacht werden. (Art. 127b B-VG)

§ 9-Prüfung
Der Rechnungshof hat im Zusammenhang mit der Verfassung des Bundesrechnungsabschlusses gemäß § 9 des Rechnungshofgesetzes 1948 (RHG) eine stichprobenweise Überprüfung der Verrechnungsaufschreibungen und Belege durchzuführen.

Dieser Verpflichtung kommt der Rechnungshof durch die Prüfung der vorgelegten Jahresrechnungen nach. Die Prüfung wird auf Basis einer statistisch-wertproportionalen Fallauswahl bei der Buchhaltungsagentur des Bundes (BHAG) sowie den zuständigen haushaltsleitenden Organen durchgeführt. Bei seinen Prüfungen weist der Rechungshof auf Systemmängel hin und verfolgt deren Behebung.

EU-Prüfung
Diese Form der Prüfung ist eine Sonderform der Schwerpunktprüfung, bei welcher der inhaltliche Schwerpunkt auf EU-Themen liegt bzw. die Prüferinnen und Prüfer die Verwaltung der EU-Fördermittel in Österreich überprüfen.

ERH-Begleitprüfung
Seit dem Beitritt Österreichs zur EU nimmt der Rechnungshof unter Wahrung seiner Unabhängigkeit an Prüfungen teil, die der Europäische Rechnungshof (ERH) in Österreich durchführt. Er kontrolliert dabei sowohl den österreichischen als auch den EU-Mittelanteil, sofern dieser über die Haushalte von Bund, Ländern und Gemeinden fließt und berichtet darüber dem Nationalrat bzw. den Landtagen.

Die Prüferinnen und Prüfer des Rechnungshofes unterstützen damit den ERH auf der Grundlage vertrauensvoller Zusammenarbeit gleichwertiger und gleichrangiger Partner (Art. 287 Abs. 3 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union). Sie fungieren als Ansprechpartner und Berater sowohl des ERH als auch der überprüften Stellen und konnten bisher auch dazu beitragen, dass "Anlastungen" - das sind Finanzkorrekturen, die bereits getätigte Ausgaben aus der gemeinschaftlichen Finanzierung ausschließen - weitgehend vermieden werden.