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Prüfungsablauf

Mit Ausnahme der Prüfungsformen der "§ 9-Prüfung", der "ERH-Begleitprüfung" und der "Prüfung von gesetzlichen beruflichen Vertretungen (Kammern)" gliedert sich der Prüfungsablauf immer in den unten dargestellten siebenteiligen Prozess, den der Rechnungshof aus der jahrhundertelangen Prüfungserfahrung selbst und den bestehenden internationalen Qualitätsstandards der INTOSAI entwickelt hat.

Die verfassungsrechtliche Unabhängigkeit garantiert, dass der Rechnungshof seine Prüfungsplanung autonom erstellt. Aufbauend auf den Strategien und dem Mittelfristigen Plan legt er eigenständig sein Prüfungsprogramm sowie die Form seiner Berichterstattung fest. Er wird entsprechend seiner Stärken als föderatives Bund-Länder-Gemeinde-Organ tätig und prüft insbesondere Themen, die andere Kontrolleinrichtungen nicht oder weniger effizient und effektiv überprüfen können.
Unter Wahrung der Unabhängigkeit stimmt er seine Prüfungstätigkeit im Netzwerk der Kontrolle mit anderen Landesrechnungshöfen und dem Stadtrechnungshof Wien ab. 

Die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den überprüften Stellen ist ein wichtiges Prüfungsprinzip des Rechnungshofes. Er anerkennt ihre Leistungen und respektiert ihren Standpunkt. Seine Kritik beruht auf den von ihm erhobenen Daten und Fakten sowie auf fundierten Argumenten. Die überprüften Stellen können ihre Sichtweise zu den vom Rechnungshof festgestellten Sachverhalten und daraus abgeleiteten Beurteilungen während der Erhebungen im Zuge der Einschau an Ort und Stelle und zum Prüfungsergebnis im Stellungnahmeverfahren einbringen. 

Inhaltlich umfassen die Prüfungen das gesamte Spektrum der öffentlichen Tätigkeit vom Grundsätzlichen bis ins Detail. Sie reichen damit von grundlegenden hoheitlichen und privatwirtschaftlichen staatlichen Aufgabenstellungen über aktuelle Handlungsfelder der Politik und finanziell kritischen Bereichen bis zu den die Bürgerinnen und Bürger unmittelbar betreffenden Themen. Gegenstand der Prüfung bilden erhebliche Angelegenheiten. Die Erheblichkeit ist nicht nur im Wert des Prüfungsgegenstandes zu sehen, sondern kann auch durch seine spezifische Eigenart oder durch seine Bedeutung im Zusammenhang begründet sein. Die Erheblichkeit ergibt sich im jeweiligen Einzelfall aus den Prüfungszielen und aus der Themenstellung.

Prüfungsaussagen werden vom Rechnungshof zu keinem früheren Zeitpunkt und in keinem anderen Umfang, als dies gesetzlich vorgesehen ist, weitergegeben bzw. veröffentlicht. Es ist eine Selbstverständlichkeit für den Rechnungshof, dass das Wissen aus dem Prüfungsprozess (z.B. in Form von Gesprächsinhalten oder von elektronischen und schriftlichen Unterlagen) mit der gebotenen Vertraulichkeit behandelt wird. Die Herstellung einer nachhaltigen Vertrauensgrundlage, vor allem zu den überprüften Stellen, ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Tätigkeit des Rechnungshofes. Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse werden umfassend gewahrt.